Umgehungsstraße wird weitergebaut

Im Rahmen einer Feierstunde hat Verkehrsminister Winfried Hermann am vergangenen Donnerstag den Bau des zweiten Abschnitts der Umgehungsstraße eingeläutet. Zahlreiche Vertreter von Ämtern und Behörden, aber auch interessierte Bürger waren gekommen, um den lang ersehnten Moment mitzuerleben.

Etwa 30 Monate dauert die 6,8 Millionen Euro teure Baumaßnahme, die Pfullendorf deutlich vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Gefeiert wurde übrigens auf dem bereits fertiggestellten Teilstück bei Sylvenstal, das die Landesstraße 201 in Richtung Denkingen mit der Landesstraße 268 in Richtung Hattenweiler und Überlingen verbindet. Weder Minister Hermann noch Klaus Tappeser, Regierungspräsident im Regierungsbezirk Tübingen, ließen in ihren Ansprachen den leisesten Zweifel daran, dass das Land in Pfullendorf sinnvoll investiert. Vier Landesstraßen und ein Kreisstraße führten sternförmig nach Pfullendorf, einer „Wachstumsgemeinde“ mit hohem Verkehrsaufkommen plus Tourismusverkehr zum See und in die Alpen, sagte Hermann. 10 000 Fahrzeuge in etwa am Tag, davon minimum zehn Prozent LKW-Verkehr. 5000 davon sollen ab 2020 für „mehr Verkehrssicherheit und Lebensqualität der Bürger“ über die neue Umgehungsstraße, die in Fortsetzung des ersten Bauabschnitts vom Kreisverkehr an der Straße in Richtung Ostrach östlich des Wohngebiets Rosslauf und des Gewerbegebiets Hesselbühl zur Straße in Richtung Denkingen führt, an der Stadt vorbei geleitet werden. Als „großes Glück für die Stadt“ bezeichnete Hermann, dass die Pfullendorfer Maßnahme unter jenen 30 Ortsumfahrungen im Ländle blieb, die dem Minister nach dem Regierungswechsel im Jahr 2011 als besonders dringlich und finanzierbar erschienen. Dass es in Pfullendorf keinerlei Konflikte, sondern einen Konsens mit der ganzen Stadt gab, beschleunigte das Verfahren zusätzlich zu einem „Projekt, das keine lange Geschichte hat“.

Minister Hermann und später auch Bürgermeister Thomas Kugler erinnerten daran, dass man Ende der 1990-er Jahre in Folge eines Gemeinderatsbeschlusses von 1997 aktiv in die Planung einer Umgehungsstraße eingestiegen sei. Im April 2005 erfolgte dann der Spatenstich zum ersten Bauabschnitt, 2007 dessen Einweihung, bei der eine schnelle Umsetzung des zweiten Bauabschnitts in Aussicht gestellt wurde. 5000 Fahrzeuge täglich, so Kugler, verschwanden schon danach aus der Stadt. „Das Land hat Wort gehalten, ich danke Ihnen im Namen der gesamten Bürgerschaft“, sagte Kugler und mahnte gleichzeitig an, „den dritten Bauabschnitt nicht zu vergessen“. Er machte nicht nur auf das hohe Verkehrsaufkommen durch Pendler, Kiesabbau und Industrie in Pfullendorf selbst aufmerksam, sondern auch auf die stark befahrene Achse von Bad Saulgau über Pfullendorf nach Überlingen, die eine vorrangige Maßnahme sei, und an die „einzige funktionierende Verbindung“ zum See, die über Pfullendorf führe und entsprechend frequentiert sei. „Wir hoffen, dass uns das Land auch mit dem dritten Bauabschnitt helfend zur Seite steht“, sagte Kugler.

Viel Lob für die Stadt gab es von Klaus Tappeser, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Tübingen, der vor Jahren selbst in Pfullendorf gelebt hatte. Ihm war die rasante Entwicklung aufgefallen, die das Mittelzentrum verkehrstechnisch „zu einer Spinne mitten im Netz“ gemacht habe. Tappeser hob die „hervorragende Planung“ der Stadt hervor und das gute Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern, beides Faktoren, die zu der „relativ raschen Maßnahme“ beigetragen hätten.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde, zu der viele Vertreter von Ämtern und Behörden gekommen waren, aber auch etwa zwei Dutzend Grundstückseigentümer und interessierte Bürger, vom Kreisverbandseniorenorchester. Die willkommene Stärkung nach den Festreden und dem Griff zu den Spaten servierten die Mittwochsfrauen des Turnvereins.