Sprach- und Hausaufgabenhilfe feiert 20. Geburtstag

Im Rahmen einer Feierstunde haben die Stadt und das Haus Nazareth am vergangenen Freitag den 20. Geburtstag der Sprach- und Hausaufgabenhilfe gefeiert. Für die derzeit 34 ehrenamtlichen Helfer gab es als Dankeschön eine langstielige Rose.

Vor zwei Jahrzehnten, in einer Zeit, als viele Familien aus Russland in die ursprünglich deutsche Heimat zurückkehrten, hat die Stadt Pfullendorf auf Initiative des Arbeitskreises Soziales ein Projekt ins Leben gerufen, das damals in den Städten und Gemeinden keineswegs selbstverständlich war. Sie gründete – zunächst für die neu in Pfullendorf angekommenen und der deutschen Sprache kaum mächtigen Kinder - die Sprachhilfe und die Hausaufgabenhilfe. Jetzt konnte das Erfolgsmodell das 20-jährige Bestehen feiern. Dabei waren selbstverständlich auch jene 34 Frauen und Männer, die derzeit ehrenamtlich Kinder mit Förderungsbedarf in den städtischen Kindergärten, im evangelischen Tagheim und in den Grundschulen auf ihrem Weg begleiten und unterstützen. Für sie gab es als Dankeschön eine langstielige Rose und ein gemütliches Abendessen in festlichem Rahmen.

Bürgermeister Thomas Kugler ließ die Geschichte der Sprach- und Hausaufgabenhilfe Revue passieren. 1998, so berichtete er, habe man mit vier ehrenamtlichen Helfern begonnen. Der Bedarf wuchs schnell. Schon ein Jahr später wurden 45 Kindergartenkinder und 50 Grundschulkinder begleitet. Beim zehnjährigen Jubiläum im Jahr 2008 waren es 230 Kinder und heute, so Kugler, seien es 274 Kinder, die von 34 überwiegend weiblichen Helfern unterstützt werden: 165 Kinder in der Sprachhilfe, die 18 speziell ausgebildete Helfer in 35 kleinen Gruppen betreuen, und 109 Kinder in der Hausaufgabenhilfe, die 16 Helfer in 18 Gruppen bei den Hausaufgaben begleiten, um Lerndefizite zu verbessern. Längst sind es nicht mehr hauptsächlich Kinder aus russlanddeutschen Familien, sondern vor allem Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, aber auch viele Kinder aus deutschen Familien, bei denen es Sprach- und Lerndefizite gibt.

„Jedes vierte Kind braucht Förderunterricht“, zitierte Bürgermeister Kugler aus dem Bildungsbericht in Baden-Württemberg. In Pfullendorf sei die Quote durch die vielen Familien mit Migrationshintergrund sogar noch etwas höher. „Zugang zur Bildung ist die Sprache“, sagte Kugler weiter. Die Sprach- und Hausaufgabenhilfe sei wichtig, um die Kinder mit Sprache und Bildung fit zu machen, damit sie den Anschluss nicht verlieren und eine Chance haben, in der Gesellschaft zu bestehen. „Wie man mit den Schwächsten umgeht, das ist das Maß für die Qualität einer Gesellschaft“, sagte er. Die Stadt Pfullendorf investiere jährlich rund 80 000 Euro in die Sprach- und Hausaufgabenhilfe, damit die Kinder „einen guten Start in die Zukunft haben“.
Kuglers besonderer Dank galt den ehrenamtlichen Helfern, denen er „Kompetenz, Freude und Geschick im Umgang mit Kindern“ bescheinigte. „Es zeichnet Sie aus, dass Sie etwas für die Gesellschaft tun“, sagte er. „Ich schätze ganz besonders, dass Sie das freiwillig für fremde Kinder machen.“ Und: „Hut ab vor dieser Leistung.“

Seit knapp 16 Jahren wird die Sprach- und Hausaufgabenhilfe in Pfullendorf in Kooperation mit dem Haus Nazareth in Sigmaringen, das auch für die Schulsozialarbeit und die Jugendarbeit in der Stadt zuständig ist, organisiert. Stellvertretend für die Mitarbeiter dieser Jugendhilfeeinrichtung nahmen Kathrin Steinhäuser und Lars Brack den Dank des Bürgermeisters für die gute Zusammenarbeit entgegen. „Ein guter, leistungsfähiger, kompetenter Partner“, sagte Kugler.

Brack hob in seiner Ansprache hervor, dass es nicht nur die Vermittlung von Worten und Lerninhalten sei, die die Helfer auszeichne, sondern auch „die Empathie, die Sie einbringen“. „Sie sind ein fester Bestandteil im Leben dieser Kinder, es ist viel mehr, was Sie den jungen Menschen mit auf den Weg geben“, sagte er. „Wir schätzen die Kooperation mit der Stadt“, galt Bracks „besonderer Dank“ Hauptamtsleiter Hans-Jürgen Rupp: „Er hat maßgeblich dafür gesorgt, dass sich die Sprach- und Hausaufgabenhilfe so fest etabliert hat.“

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