Niko Kappel zu Gast

Die Erfolge von über 100 Kindern und Jugendlichen hat die Stadt Pfullendorf bei der diesjährigen Sportlerehrung am vergangenen Mittwoch gewürdigt.

Neu war der Moderator, denn Sportredakteur Michael Dittrich, viele Jahre das fachlich herausragende Gesicht der Sportlerehrung, sah sich aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht mehr in der Lage, die Fahrt nach Pfullendorf auf sich zu nehmen. Einen adäquaten Ersatz fand die Stadt in Jens Zimmermann, der im Lauf seiner Karriere sportliche Großereignisse wie die Olympischen Winterspiele in Sotschi oder die Vier-Schanzen-Tournee fürs Fernsehen moderierte. Er ist gleichzeitig Manager einiger hochrangiger Sportler und brachte zur Sportlerehrung den Ausnahmeathleten Niko Kappel mit. Der 25-jährige Welzheimer ist Parasportler. Er ist von Geburt an durch Kleinwüchsigkeit behindert und nur 1,41 Meter groß. Trotzdem erzielte er als Kugelstoßer, der für den VfL Sindelfingen startet, große Erfolge: 2016 gewann der die Goldmedaille bei den Paralympics in Rio de Janeiro, 2017 wurde er Weltmeister in London, 2018 Vize-Europameister und erst vor ein paar Tagen holte er bei den Para-Weltmeisterschaften in Dubai Silber.

Im Gespräch mit Jens Zimmermann plauderte er sympathisch, locker und mit viel Humor über seine Kindheit und Jugend. „Er habe keine Probleme mit Mobbing und Ausgrenzung gehabt“, berichtete er. Auch, weil seine Eltern von Anfang an kein Thema aus seiner Behinderung machten, sondern ihn, der halt kleiner blieb, ganz normal zum Kindergarten und zur Schule schickten. Auch dort gab es keine „Sonderbehandlung“. Niko Kappel fand früh den Weg zum Sport. Er spielte in seinem Heimatverein Welzheim Fußball bis zu den höheren Jugendklassen und kam dann zur Leichtathletik und zum Kugelstoßen. „Der Sport war wichtig für mich“, sagte er dem aufmerksam lauschenden jungen Publikum und erzählte so manche vergnügliche Anekdote im Zusammenhang mit seiner Kleinwüchsigkeit. Inzwischen ist Niko Kappel, der den Beruf des Bankkaufmanns erlernt hat, im Spitzensport angekommen und „trainiert als Profi“. Außerdem ist er in Welzheim Mitglied des Gemeinderats.

Ernst wurde Niko Kappel, als es um das Thema „Inklusion“ ging. Er wolle nicht politisch korrekt integriert werden, sondern ganz normaler Teil der Gesellschaft mit allen Vor- und Nachteilen sein. „Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, Vorzüge und Nachteile“, sagte er und natürlich müsse auch ein Mensch mit Behinderung für sein Fehlverhalten gerade stehen und dürfe keine Sonderbehandlung erfahren. Einem Menschen mit Behinderung ungefragt zu helfen, empfand er als unpassend, vor allem, wenn keine Beziehung zwischen dem Helfer und dem Behinderten besteht. Wer Hilfe wünsche, würde um Hilfe bitten, erklärte er.

Im Anschluss an das Podiumsgespräch durften die jugendlichen Zuhörer ihre Fragen stellen und so berichtete Kappel noch von seinen Trainingsgewohnheiten, aber auch, wie sein Auto umgebaut wurde, damit er die Pedale mit seinen kurzen Beinen erreicht. Danach übernahm er die Ehrung der erfolgreichen Pfullendorfer Nachwuchssportler, für die er nicht nur das Geschenk der Stadt, in diesem Jahr eine Thermotrinkflasche, hatte, sondern auch so manches persönliche Wort, und erfüllte noch lange Wünsche nach Autogrammen, Selfies und Gruppenfotos.

„Hochachtung vor Ihrer Person“, würdigte Bürgermeister Thomas Kugler die sportliche Leistung und menschliche Ausstrahlung des behinderten Athleten. Mit seinen 1,41 Metern sei Niko Kappel ein „ganz Großer“ und beweise, dass man „mit Ehrgeiz, Interesse und Kampfgeist“ immer etwas erreichen könne, sagte der Bürgermeister den jungen einheimischen Sportlern. Sein Dank galt nicht nur den Jugendlichen, sondern auch deren Trainern, Übungsleitern und Eltern, denn der Erfolg sei „ein Gemeinschaftswerk“. Ein ganz anderes Talent stellte der ebenfalls junge Immanuel Taraca unter Beweis: Er sorgte am Klavier für die musikalische Umrahmung der Feierstunde, die, wie immer, mit einem Stehempfang samten belegten Broten und Getränken endete.

Die geehrten Sportler: Finn Hummel, Marlon Thiel-Gomez (beide Tennisclub), Heiko Waitschull (Turnverein Mengen Judo), Cedric Abt (Radlerclub), Tim Scheuble, Finn Klöckler, Paolo Herdt, Anna Lohr, Sofia Scherzinger, Maya Keller, Lina Deufel, Luna-Minu Riegger, Tamara Schraudolf, Annika Restle, Lars Waitschull, Annika Rackuff, Elin Rosenthal, Milena Herdt, Jason Leimer (alle TSV Aach-Linz Leichtathletik), Maximilian Glaeser, Marius Roth (beide TV Pfullendorf Turnen), Tom Falkner, Lars Schweikart (beide TV Pfullendorf Handball), D1 Jugend männlich mit Erik Baron, Yasin Barutcu, Lukas Böpple, Ben Brilz, Arthur Dyck, David Falkner, Jonas Krüger, Leon Martian, Jonas Schmidt, Maxim Schmidt, Rafael Wiser und Roman Wiser, C Jugend männlich mit Tobias Boos, Erik Breichler, Mark Bubenschikov, Felix Dettweiler, Rafael Karagol, Eric Martian, Luca Münz, Jan Nowack, Dominik Schmidt, Finn Schweikart, Fabian Spähler, Lorenz Stukle, Dominik Szaposzsnicsenko und Max Ole Thelen (beide Turnverein Pfullendorf Handball), Jugend trainiert für Olympia mit Piroska-Lill Ackers, Maximilian Glaeser, Ben Müller, Laila Müller und Paul Würms (Staufer-Gymnasium), E1 Junioren mit Kerem Cem Erdem, Kerem Erdem, Ferdinand Hennig, Raphael Kükler, Maxim Matheis, Maxime Poußet, Markus Sakru und Emil Stern, E2 Junioren mit Omran Alideep, Orges Aliu, Elias Axt, Baran Barutcu, Mamodou Camara, Kaan Celic, Maximilian Krane, Aron Özdemir, Julius Roth und Ilijas Sijaric, D1 Junioren mit Fabian Axt, Patrick Bantle, Luca Bregenzer, David Büttner, David Falkner, Emre Mersinlioglu, Levi Moser, Raphael Müller, Petrus Petrus, Fabian Poisel, Nick Rothweiler, Maxim Schmidt, Max Seiler und Leandro Seminara, B2 Junioren mit Jens Ammann, David Ammann, Michael Blum, Dennis Dutschek, David Fritz, Niklas Gassner, Jaan Günaydin, Ibrahim Kiziltoprak, Alexander Miller, Connor Mitchell, Janik Moser, Finn Moßbrucker, Niklas Pawlicki, Luca Schulz, Yannik Slawig und Marco Straub (alle SC Pfullendorf Fußball).

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