Bunte Luftballone zeigen die Vielfalt

In einer ausgesprochen harmonischen und heiteren Atmosphäre hat das erste Pfullendorfer Begegnungsfest stattgefunden. Unter dem Motto „Pfullendorf ist bunt“ lud die Stadt gemeinsam mit dem Helferkreis für Flüchtlinge und den Kirchengemeinden auf das Gelände der Ziegelei Ott ein.

Als Lokalität für das Fest war nicht grundlos das Anwesen der ehemaligen Ziegelei ausgewählt worden. Dort sind nämlich die derzeit 17 jungen Männer untergebracht, die vor einigen Monaten als Flüchtlinge und Asylbewerber nach Pfullendorf kamen. Nicht nur sie nahmen ganz selbstverständlich am Fest teil und mischten sich unter die unerwartet zahlreichen Gäste, sondern auch etliche Mitbürger mit ausländischem Pass, die seit kürzerer oder längerer Zeit in der Stadt leben. Gemeinsam mit vielen deutschen Pfullendorfern erlebte die internationale Besucherschar einen Nachmittag des unkomplizierten Austauschs, des gegenseitigen Kennenlernens und des freundschaftlichen Miteinanders.

Das Programm mit Musik des Chors „Chips & Flips“, der „Eichberg-Trommler“ der Kasimir-Walchner-Schule und dem Zauberer „Mirakuli“ sowie Kinderschminken und einer tollen Spielstraße für die vielen kleinen Besucher war gut gewählt und trug dazu bei, dass Integration gelang. Auch das Essen, das es übrigens gratis gab, bot mit orientalischer, asiatischer und europäischer Küche etwas für jeden Geschmack. Offensichtlich von der herzlichen Stimmung mitgerissen, entschlossen sich einige ausländische Mitbewohner spontan, ihren Teil zum Programm beizutragen: Eine Hand voll junger Männer zeigte einen Tanz aus ihrer palästinensischen Heimat, Munir Naef aus Syrien spielte ein Musikstück auf seiner orientalischen Saz und der Iraner Asghar Khoshnavaz, der schon seit vielen Jahren in Wald lebt, trug ein Gedicht in seiner Muttersprache vor. Viel Mut brachten Merma Mourad, die Mutter von drei Töchtern ist und als Schulbegleiterin arbeitet, und die 13-jährige Helez Mohammad, die Zahnärztin werden möchte, auf. Die beiden Syrerinnen berichteten mit berührenden Worten von ihrem Start im fremden Land mit einer fremden Sprache, einer neuen Kultur und neuen Freunden. „Wir danken Deutschland und der Stadt Pfullendorf, dass sie uns aufgenommen haben“, sagten beide. Höhepunkt des Begegnungsfests waren die vielen bunten Luftballons, die man gemeinsam und mit einem gegenseitigen Lächeln, wenn die Sprachkenntnisse mal nicht ausreichten, in den Himmel steigen ließ.

Sozialarbeiterin Mechthild Grau vom Caritasverband, die sich gemeinsam mit einem Kollegen um 500 Flüchtlinge im Landkreis kümmert, warb um Verständnis, wenn sich die Flüchtlinge manchmal nicht so verhalten, wie es in Deutschland üblich ist. „Das Leben und die Bräuche und Gewohnheiten hier sind anders, als in den Heimatländern der Menschen.“ Und: „Sie sind zwar mit wenig Gepäck auf dem Rücken gekommen, aber im Herzen schleppen sie viel Gepäck mit sich herum: Die schrecklichen Erlebnisse in den Heimatländern und auf der Flucht, die Angehörigen, die sie zurückgelassen haben, oft die Frau mit den Kindern, für die die Flucht zu gefährlich gewesen wäre, oder die Eltern, denen sie helfen wollen.“ „Die meisten möchten hier in Frieden leben, eine Arbeit haben oder eine Ausbildung machen“, sagte Mechthild Grau.

„Ausländische Mitbürger haben bei uns Tradition“, erklärte Bürgermeister Thomas Kugler, warum Integration in Pfullendorf „relativ unaufgeregt“ gelingt. Man habe eine lange Erfahrung mit Menschen aus dem Ausland, beispielsweise durch die Gastarbeiter, die vor Jahrzehnten in die Pfullendorfer Betriebe kamen, oder durch die Amerikaner in der Kaserne, durch die man auch an dunkelhäutige Gesichter gewöhnt sei. Es gebe zwei Moscheen in Pfullendorf und auch die vielen aramäischen Familien seien längst ein „selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft“. Pfullendorf sei bunt, so wie es das Motto des Begegnungsfests wiedergebe, denn Menschen aus 80 verschiedenen Ländern hätten in der Stadt Heimat gefunden. Mit der Sprachförderung an den Kindergärten und Schulen oder mit den Integrationskursen der Volkshochschule habe man sich auf diese Vielfalt an Nationalitäten eingestellt. Die aktuelle Zahl der Flüchtlinge in der Stadt bezifferte Kugler auf 60. Sein besonderer Dank galt dem Helferkreis, in dem sich derzeit 35 Frauen und Männer unentgeltlich engagieren.