Radexpress soll öfters fahren

Die Bahnstrecke zwischen Pfullendorf und Altshausen soll attraktiver werden. Diese Information gab es bei einem Pressegespräch mit den Vertretern der beteiligten Kommunen in der vergangenen Woche. Unter anderem ist geplant, den Radexpress während der Sommermonate an jedem Sonntag fahren zu lassen.

Durch die Wiederbelebung des Güterverkehrs, mehr Fahrten des Radexpress Oberschwaben, einer Aufwertung der Haltestellen und die Reaktivierung der stillgelegten Übergänge soll die Bahnstrecke zwischen Pfullendorf und Altshausen in den kommenden Jahren wieder deutlich attraktiver werden. Teilweise werden die Pläne bereits im kommenden Jahr umgesetzt. Die Deutsche Bahn hatte den Güterverkehr auf der rund 25 Kilometer langen Strecke vor 15 Jahren eingestellt. Mit der Gründung einer Interessengemeinschaft sorgten die Kommunen Pfullendorf, Ostrach und Altshausen aber dafür, dass die Bahnlinie zumindest rudimentär weiterhin genutzt werden konnte – beispielsweise für den Radexpress Oberschwaben, der seit 2011 immer zwischen Mai und Oktober regelmäßig fährt. Vor zwei Jahren kauften die drei Kommunen schließlich die Bahnstrecke, die sie bis dahin lediglich gepachtet hatten.

Ab dem kommenden Jahr soll es für Einheimische, Touristen und Tagesgäste spürbare Verbesserungen auf und entlang der Bahnstrecke geben. So wird der Radexpress Oberschwaben zwischen Mai und Oktober dann an jedem Sonntag unterwegs sein – und damit doppelt so häufig wie bisher. „Zudem werden die Züge beispielsweise mit drahtlosem Internetzugang und Niederflur-Einstieg ausgestattet sein“, sagte Eisenbahnbetriebsleiter Frank von Meißner. Darüber hinaus sind eine Aufwertung der Haltepunkte in Pfullendorf, Ostrach, Burgweiler und Altshausen sowie die eventuelle Einrichtung eines neuen Haltepunkts in Hoßkirch-Königsegg geplant. „Dafür bekommen wir finanzielle Unterstützung vom Land“, sagt Pfullendorfs Bürgermeister Thomas Kugler. „Wir sind sicher, dass das eine richtig tolle Geschichte wird.“ Zurzeit würden die entsprechenden Baumaßnahmen koordiniert.

„Es soll unter anderem Info-Stelen und bessere Sitzgelegenheiten geben“, sagt Frank von Meißner. Die Fahrgäste würden an den neu gestalteten Haltepunkten über die Bahnstrecke, die angrenzenden Gemeinden und die touristischen Attraktionen in der Region informiert. Ostrachs Wirtschaftsförderer Manfred Essl beispielsweise möchte mehr geführte Wanderungen und Radtouren anbieten und diese an die Taktung der Bahnen anpassen. Zum Start der Radexpress-Saison 2018 sollen alle Haltepunkte neu gestaltet sein. Auf lange Sicht denkt die Interessengemeinschaft aber beispielsweise auch über eine Sanierung des Eisenbahnviadukts in Ostrach nach.

Mit der Stilllegung der Strecke waren damals auch die Bahnübergänge außer Betrieb genommen worden. Die Andreaskreuze gibt es zwar immer noch, aber die ohnehin nicht mehr funktionierenden Lichtsignale wurden aus Sicherheitsgründen inzwischen abgedeckt. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir die Bahnübergänge wieder technisch aufrüsten“, sagt Thomas Kugler. „Pro Bahnübergang kommen auf uns allerdings Kosten im fünfstelligen Bereich zu. Deshalb müssen wir uns gut überlegen, mit welchem wir beginnen und wie es weiter geht.“ Die Inbetriebnahme des ersten Bahnübergangs sei ebenfalls für das kommende Jahr realistisch. Bezahlt werden die verschiedenen Maßnahmen unter anderem mit den Landeszuschüssen und Beiträgen der Interessengemeinschaft. Hinzu kommen Nutzungsentgelte, die diejenigen bezahlen müssen, die auf der Strecke ihre Züge fahren lassen. Wegen der intensiveren Nutzung der Bahnstrecke in den kommenden Jahren rechnen die Eigentümer gleichzeitig mit steigenden Einnahmen, denn der Güterzugverkehr wird reaktiviert. Am 8. April fuhr bereits ein Zug mit sechs leeren Holzwaggons zum Bahnhof Burgweiler und wurde dort mit zehn Lastwagenladungen Stammholz beladen. Die voll beladenen Waggons verließen Burgweiler in Richtung Augsburg. Dann landet das Holz in einem Sägewerk in Radersdorf. Den Transport organisierte die Firma Boxtango aus Ostrach, mit dessen Geschäftsführer Martin Burkhardt die Eigentümer der Bahnstrecke seit zwei Jahren im Gespräch stehen. Eigentlich hatten alle Beteiligten gehofft, bereits Ende 2015 wieder die ersten Güterzüge aufs Gleis zu bekommen. „Allerdings wird man bei einem solchen Projekt vom Start-up gleich zu einem mittelständischen Unternehmen“, sagte Burkhardt beim Pressegespräch am Freitag. „Das ist ein großer Schritt.“ Für den Betrieb seines Logistik-Unternehmens plant der Geschäftsmann unter anderem den Bau eines Container-Terminals in Ostrach. Um in Zukunft Güter auf der Schiene zu transportieren, verhandelt Burkhardt zurzeit mit Firmen aus Friedrichshafen und Markdorf, aber auch aus Pfullendorf, Ostrach, Bad Saulgau und Herbertingen. Von Ostrach aus könnten deren Erzeugnisse zum Beispiel in Richtung Hamburger Hafen auf die Reise gehen. Die Eigentümer der Bahnstrecke zwischen Pfullendorf und Altshausen sind sich jedenfalls sicher, dass der Güterverkehr auf der Schiene eine Zukunft hat. „Die Strecke wird weiter an Bedeutung gewinnen“, sagte Eisenbahnbetriebsleiter Frank von Meißner. „Schon jetzt zeigt sich: Es handelt sich nicht um ein Hirngespinst von Eisenbahnfreunden, sondern der Güterverkehr läuft wieder.“