Rund 100 Pfullendorfer folgten der Einladung der Stadt zur Einwohnerversammlung

Obwohl mit der neuen Schulkonzeption „Bildungslandschaft Pfullendorf 2026“ und der Vorstellung des neuen Kindergartens im Wohngebiet Roßlauf auch zwei Themen auf der Tagesordnung standen, die Familien betreffen, nahmen kaum Eltern an der Versammlung teil.

Weiterführende Schulen - Zukunftskonzept vorgestellt

Die Informationsveranstaltung startete mit dem künftigen Bildungskonzept. Christoph Huber vom Argo-Institut in Ammerbuch, das die Stadt mit der Erstellung eines Konzepts für die künftige Schullandschaft in der Stadt beauftragt hatte, und Schulamtsdirektor Maximilian Groß vom Staatlichen Schulamt erörterten, welches Schulkonzept nach ausführlichen Gesprächen und Recherchen an den verschiedenen bestehenden weiterführenden Schularten mittelfristig für Pfullendorf passt. Das Ergebnis: Alle Schulen und Schulformen und deren pädagogische Konzepte bleiben erhalten, wobei Christoph Huber eine „stabile Zweizügigkeit“ für die Realschule und die Werkrealschule sowie eine „stabile Dreizügigkeit“ für das Gymnasium sieht. Am Gymnasium ändert sich laut dem neuen Konzept nichts. Aus der Werkrealschule und der Realschule soll ein Schulverbund unter einem Dach werden, wobei der gemeinsame Schulcampus bei der Sechslinden-Schule entsteht. „Der jetzige Standort der Realschule ist aufgrund der Gebäude sowieso nicht zukunftsfähig“, begründete Huber den Umzug der Realschule zur Sechslinden-Schule. „Eine Verbundschule bietet in der momentanen Situation das größtmögliche Entwicklungspotenzial bei gleichzeitiger Flexibilität“, sagte er weiter. Mit einer Verbundschule könne erst später, wenn die Marschrichtung des Schulsystems auf Landes- und Bundesebene geregelt sei, entschieden werden, zu welcher Schulart es gehe. Maximilian Groß informierte über den Schulverbund, der keine neue Schulart sei, sondern die Zusammenführung zweier Schulen unter einem Dach und mit einem Schulleiter. Der Schulverbund biete Synergieeffekte, weil beispielsweise Lehrer ausgetauscht werden könnten. Und es sei für Kinder einfacher, wenn sie von einer Schulart zur anderen wechseln. Eine Vermengung der Schüler im Unterricht sei nicht möglich, wohl aber bei Projekten, sagte Groß. Zum Tragen käme diese Konzeption erst, wenn die baulichen Voraussetzungen geschaffen sind.

Daran arbeitet die Stadt bereits, wie Bürgermeister Thomas Kugler erklärte. Derzeit würden die Raumbedarfe ermittelt. Im kommenden Jahr werde die Konzeption erarbeitet und voraussichtlich im Herbst könnten die ersten Gespräche mit dem Regierungspräsidium geführt werden. Wann der Schulneubau für die Realschule erstellt werde, sei auch eine Frage der Finanzierung, sagte Kugler, der auf „Sondertöpfe“ hofft.
Das gesamte Zukunftskonzept, das das Argo-Institut für die Pfullendorfer Schulen erarbeitet und entwickelt hat, kann im Internet auf der Homepage der Stadt nachgelesen werden.

Stadtwerke - Neues Fernwärme-Angebot

Die Stadtwerke warten mit einem neuen Angebot auf, das vor allem die Besitzer jener Häuser interessieren dürfte, die in den 90-er Jahren und früher erstellt wurden. Bei diesen Gebäuden stehen erfahrungsgemäß in absehbarer Zeit Sanierungsarbeiten im Heizungskeller an, mit denen auch die Einhaltung der Vorschriften nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz verbunden ist. Die Stadtwerke wollen nun – auch auf Bitten einiger Eigentümer von Mehrfamilienhäusern - für ältere Wohngebiete wie Sonnenrain, Roßlauf, Ochsensteige, Am Einfang oder Sechslindensteige ein Fernwärmesystem anbieten, sofern genügend Hauseigentümer interessiert sind. Bei der Einwohnerversammlung am Mittwoch stellte Jörg-Arne Bias, Geschäftsführer der Stadtwerke, vor, was bereits umgesetzt wurde und was in den Wohngebieten entstehen könnte. Demnach wird bereits das gesamte Seepark-Center mit einem umweltfreundlichen Blockheizkraft geheizt, ebenso die Sechslinden-Schule, deren Heizung besonders effektiv ist, weil die Wärme im Sommer zum Beheizen des Schwimmbads genutzt wird. „Wir wollen die Wärmenetze ausbauen und bei Bedarf Nahwärmeversorgung anbieten“, sagte Bias. Besonders weit sind die Stadtwerke bereits im Wohngebiet Roßlauf, wo Ende November eine Informationsveranstaltung für die Hauseigentümer stattfindet. Weiterhin arbeiten die Stadtwerke an einem Wärmeenergieplan für den Bereich Sechslindensteige. Bias nannte die Vorzüge der Fernwärme, die nicht nur eigene Heiz- und Tankanlagen im Haus überflüssig macht, sondern auch die Auflagen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erfüllt. Zu den Kosten sagte Bias, dass der Baukostenzuschuss und der Hausanschluss etwa gleich viel koste, wie die Erneuerung der Heizanlage. Bei den laufenden Kosten will man eine Größenordnung von etwa 1000 Euro jährlich bei 100 Quadratmeter Wohnfläche erreichen. Die Voraussetzung: Mindestens 70 Prozent der großen Mehrfamilienhäuser müssen sich anschließen lassen. „Wir wollen die Energiewende aktiv fördern“, sagte Bias. Deshalb gebe es bei den Stadtwerken bereits das kleine Sanierungsangebot „Linzgau Wärmepaket“ für Einfamilienhäuser. Außerdem hätten die Stadtwerke Ladestationen für Autos und Fahrräder installiert. Eine weitere Ladestation für Elektroautos werde beim AOK-Parkplatz gebaut.

Zuvor hatte Michael Bauer von der Energieagentur Sigmaringen, die auch in Pfullendorf berät, ausführlich und verständlich die aktuellen Vorschriften nach dem Bundesimmissionsgesetz, dem Klimaschutzgesetz und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie die Nachrüstpflicht für Kachelöfen vorgestellt. Er empfahl, sich bei anstehenden energetischen Maßnahmen aller Art mit der unabhängig beratenden Energieagentur in Verbindung zu setzen oder auch bei Fragen zur Heizung das Beratungsangebot der Stadtwerke zu nutzen.

Umgehungsstraße - Baubeginn im Frühjahr

 Im Frühjahr beginnt das Land mit dem Bau des zweiten Bauabschnitts der Umgehungsstraße. Diese Information hat Bürgermeister Thomas Kugler bei der Einwohnerversammlung am Mittwoch an die Bürger weitergegeben. Die ersten Arbeiten haben mit dem Bau der Verbindungsspange von der Landesstraße nach Denkingen zur Landesstraße nach Überlingen bereits begonnen. Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peter informierte die Bürger über Details der Planung. Demnach entstehen auf dem knapp sechs Kilometer langen Bauabschnitt, der am Ende von Bauabschnitt I beim Kreisel in Richtung Ostrach beginnt und vorbei am Roßlauf und am Gewerbegebiet Hesselbühl zur bestehenden Landesstraße nach Denkingen führt, sieben Bauwerke mit denen Gemeindeverbindungswege oder die Bahntrasse überbrückt werden. „Die Fahrverkehre in der Stadt reduzieren sich nach Abschluss der Arbeiten um etwa 5000 Fahrzeuge täglich“, informierte Peter aus einer Studie.

Weniger erfreulich waren die Informationen zum dritten Bauabschnitt, der vom Kreisel in Richtung Otterswang vorbei am Seepark und an Gaisweiler auf die Landesstraße in Richtung Aach-Linz führen wird und damit eine Entlastung für die Otterswanger Straße und die Überlinger Straße bringt. „Im Moment haben wir da nur eine Freihaltetrasse, der Bau wird noch dauern“, sagte Peter. „Wenn es schnell geht, dauert es 15 Jahre“, ergänzte Bürgermeister Thomas Kugler. Der Verkehrswegeplan des Landes werde in den Jahren 2020/2021 fortgeschrieben. Die Stadt werde dranbleiben und nicht damit aufhören, auf die Dringlichkeit hinzuweisen.

Kindergarten - Planung vorgestellt

Der neue Kindergarten, den die Stadt Pfullendorf als Ersatz für die Tagesstätte am Stadtgarten im Wohngebiet Roßlauf baut und der später Familienzentrum Sonnenschein heißen soll, wird zu einem Paradies für Kinder. So zumindest stellen es die Pläne dar, die Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peter bei der Einwohnerversammlung vorgestellt hat. Das zweigeschossige Gebäude bietet Platz für drei Regelgruppen und eine Kleinkindgruppe. Trotzdem bleibt viel Platz für zusätzliche Aktionsbereiche für Werken, Musik, Kochen oder Bewegung. Auch für die Mitarbeiter gibt es genügend Platz für Besprechungen im Team oder mit den Eltern und die Kinderwagen, in denen die Kinder gebracht werden, erhalten eine separate Garage im Haus. Alle Räume sind mit großen Fenstern ausgestattet und lichtdurchflutet, für heiße Tage gibt es Jalousien als Sonnenschutz. Die Gruppenräume sind mit abgetrennten Ruhebereichen ausgestattet, die aber auch für die Arbeit in Kleingruppen verwendet werden können. Sehr ansprechend wird auch der Außenbereich mit Kletterhügel, Wasserbereich und Spielgeräten gestaltet, der von allen Gruppenräumen aus direkt erreichbar ist, aus dem Obergeschoss, das einen Laubengang erhält, über eine Außentreppe und eine tolle Rutsche. Die Kleinkinder haben ihren eigenen abgetrennten Außenbereich. Je nach Witterung ist der Baubeginn Anfang nächsten Jahres geplant. Die Kinder sollen voraussichtlich an Ostern 2019 einziehen können.

Pflegeheim - Neubau in der Planung

Auch beim spitälischen Alten- und Pflegeheim steht die Stadt vor großen kostenintensiven Aufgaben. Das bisherige Haus genügt, beispielsweise bei der Größe der Zimmer, nicht mehr den neuesten gesetzlichen Anforderungen, wie Bürgermeister Thomas Kugler bei der Einwohnerversammlung erklärte. Derzeit prüft die Stadt mögliche Standorte und macht sich Gedanken über die Konzeption und die Größe der neuen Einrichtung. „2018 soll das Grobgerüst stehen, 2019 gehen wir in die Planung und für 2020 ist der Baubeginn vorgesehen“, sagte Kugler, der bei 60 Pflegeplätzen mit Kosten von etwa acht Millionen Euro rechnet.

Infrastruktur - Weitere Themen angesprochen

Wegen der fortgeschrittenen Zeit ging Kugler am Ende der Einwohnerversammlung nur noch kurz auf weitere Themen ein, die die Stadt derzeit beschäftigen. Darunter das Stadtentwicklungskonzept, das auch die Schaffung von Wohnraum für unterschiedliche Mieteransprüche vorsieht, oder die Baugebietsentwicklung. „Wir brauchen für den Erhalt unserer Infrastruktur die entsprechende Einwohnerzahl“, sagte Kugler, der nicht nur die Wasser- und Abwasserversorgung oder die Schulen und Kindergärten auflistete, sondern auch Stadtbücherei oder Musikschule.

Beim Thema Breitbandversorgung bedauerte Kugler, dass manche Bürger zwar das schnelle Internet wünschen, sich letzten Endes aber doch nicht für einen Anschluss und einen Vertragsabschluss entscheiden.

Zum Thema Windräder informierte Kugler, dass inzwischen weitere Windräder in der Nähe von Denkingen geplant seien. Vier Windräder plane die Stadt Überlingen in deren Spitalwald. Außerdem seien Windräder im Malaienwald und in der Nähe von Echbeck geplant. Die Stadt Pfullendorf will sich nicht allein gegen diese große Zahl von Windrädern wehren, sondern gemeinsam mit der Gemeinde Heiligenberg argumentieren.