Sagen & Legenden

Die Pfullendorfer Stegstrecker

Vor langer Zeit wollten die Pfullendorfer einen Steg über den Andelsbach bauen. Ein Meister nahm Maß und ging mit seinen Gesellen an die Arbeit. Aber, wie es zuweilen geht, der Meister hatte sich versehen, oder zu wenig vom spitälischen Holz genommen, oder es war sonst ein Unglück eingetreten, der Steg reichte nicht zum anderen Ufer, er war zu kurz geraten. Die Schadenfreude war groß, guter Rat teuer.

Ein findiger Kopf schlug vor, den Steg im Wasser aufweichen und ihn danach durch Ochsengespanne strecken zu lassen. Gesagt, getan. Der Steg blieb kurz, so sehr auch die Ochsen sich anstrengten. In höchster Not wandte man sich an den Hohen Rat der Stadt Pfullendorf. In geheimer Sitzung fand er einen Ausweg. Über den bis zum heutigen Tage nichts bekannt geworden ist. Alsbald an Ort und Stelle streckte der Rat den Steg und verband Ufer mit Ufer. Jedermann war zufrieden.

Seitdem heißen die Pfullendorfer „Stegstrecker“.

 

Der Brotlaib der Gräfin von Zimmern

Zimmern

Wie nötig ein solcher Selbstschutz der Städte war, zeigt z. B. die aus der Zimmerischen Chronik überlieferte Geschichte: Im Jahre 1348 wurde von den umliegenden Rittern ein Raubüberfall auf Pfullendorf geplant, den aber Frau Brigitta von Gundelfingen, die Gattin des der Stadt stets wohlgesinnten Grafen Wernher von Zimmern in Meßkirch, zu vereiteln wußte. Auf listige Weise ließ sie die Pfullendorfer warnen, indem sie ein Brieflein in einen Laib Brot einbuk und diesen durch einen vertrauten Boten dem Herrn Bürger-meister recht empfehlen ließ. Die Stadt wappnete sich daraufhin und ließ die Tore schließen. Der Überfall mißlang.

 

Christus wird Pfullendorfer

Als Kaiser Josef II. nach dem Tode der Kaiserin Maria Theresia vorderösterreichische Städte besuchte, kam er auch in die Reichsstadt Pfullendorf. Um die elfte Stunde vernahm er das Läuten einer kleinen Glocke. Darob verwundert frug der Kaiser, was dies bedeute. Ihm wurde erwidert, es geschehe zur Erinnerung an die Todesstunde Christi. Ob sich zu diesem Zwecke nicht eine größere Glocke in Pfullendorf fände, frug der Kaiser, worauf ihm geantwortet wurde, man habe wohl noch größere Glocken im Turm, doch würden diese nur für Bürger von Rang und Stand geläutet. Der Kaiser frug den Bürgermeister, was das Bürgerrecht in Pfullendorf koste. „50 Gulden“, lautete die Antwort. Da übergab der Kaiser der Stadt den genannten Betrag mit dem Bedeuten, dass Jesus Christus Pfullendorfer Bürger werde.

Kirchenfenster
 

Maria Schray

Am 6. Juli 1632 erschienen die Schweden unter ihrem Kommandanten Max von Rählingen wieder vor der Stadt. Die alte Wallfahrtskirche Maria Schray wurde in Brand gesteckt. Der Mesner und ein zufällig anwesender Bauer wurden von den Kriegsknechten erschlagen. Die Stadt lehnte eine Übergabe ab, wiewohl ihre besten Schützen zur Verteidigung der Stadt Mengen abgeordnet waren. Nach 5stündigem schweren Kampf ergab sich die Stadt jedoch und einigte sich mit den Schweden auf Zahlung einer neuerlichen Kontribution.

Die Schweden hielten sich indessen nicht an das Abkommen, sondern drangen in die Stadt ein, wo sie plünderten und raubten. Einige angesehene Bürger wurden als Geiseln festgenommen und verschleppt, später jedoch wieder freigelassen. Die Wallfahrtskirche Maria Schray brannte bis auf den gotischen Chor nieder. Das Gnadenbild wurde auf wunderbare Weise gerettet. Der Legende nach ist es über die Flammen hinweg in eine Eiche des nahegelegenen Waldes Neidling geschwebt, wo heute noch ein Wallfahrtsort ist.

 
Wappen Pfullendorf

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