Pfullendorf - eine Stadt mit Vergangenheit

Funde aus der Steinzeit, von Pfahlbaudörfern, Überbleibsel keltischer Hügelgräber und Fliehburgen, aus der Zeit, als die Römer unser Land besiedelten, geben Zeugnis dafür. Etwa im 7. - 9. Jahrhundert kamen alemannische Siedler, die aus dem Hegau einwanderten, und ließen sich im westlichen trockenen Teil des ausgedehnten Sumpfgebietes nieder. Sie bauten sich an den Wasserlöchern ihre Hütten, so entstand das "Dorf am Pfuol" - aus ihm wurde Pfullendorf. Nach der alemannischen Landnahme regierten zunächst Adelsfamilien und Kleinkönige unter einem alemannischen Herzog.

Die Franken beseitigten dieses Herzogtum, jetzt übernahmen, unter fränkischer Aufsicht Grafengeschlechter die Regierung bis schließlich das Geschlecht der Udalrichinger, das vom alten alemannischen Herzoghaus abstammt, beträchtlichen Einfluß gewann. Im 11. Jahrhundert tauchten hochadelige Linzgaugrafen auf, sie stammten von den Udalrichingern ab, und bauten auf dem Molassefelsen, der über dem Dorf am Pfuhl hinaufragte, eine Burg für ihren letzten Sproß, den Grafen Rudolf von Pfullendorf. Wegen seiner außerordentlichen Fähigkeiten war er mit vielen Privilegien ausgestattet, seiner Klugheit und seinem politischen Geschick vertraute der Stauferkönig und spätere Kaiser Friedrich I., bekannt als Babarossa. Graf Rudolf wurde dessen engster Vertrauter.

Mit der Burg und der dazu gebauten Kirche entstand auf dem Felsen eine neue Siedlung. Es waren Bauern, Handwerker, Kaufleute, die zunächst zur Hofhaltung gehörten, dann aber immer selbständiger wurden. Graf Rudolf erhielt vom Kaiser das Marktrecht. Entstehung des Marktflecken Pfullendorf.

Mit Rudolfs Tod, 1180 in Jerusalem, starb der Name aus, jedoch lebte sein Geschlecht durch seine Tochter Ita weiter. Sie heiratete Albrecht III von Habsburg und war eine der Urgroßmütter des deutschen Königs und Kaisers Rudolf von Habsburg; Stammutter der Habsburger ist also eine Pfullendorferin. 1219 brach eine Feuerbrunst aus, die strohgedeckten Holzhäuser fielen ihr zum Opfer. Ein beherzter Pfarrer namens Ulrich bat bei Friedrich II, dem Enkel Babarossas, um Audienz. Als der künftige Kaiser von der großen Not Pfullendorfs hörte, erinnerte er sich an die guten Verdienste des Pfullendorfer Grafen Rudolf für seinen in Großvater.

Als er erfuhr, wie es um diesen Besitz stand, half er dem Ort wieder auf die Beine. Er fertigte eine Urkunde an, datiert vom 2. Juni 1220, die das Schicksal Pfullendorfs für alle Zeiten besiegelte.  Diese Urkunde erhob Pfullendorf zur königlich staufischen Stadt. Die Rechte, die damit verbunden waren, in einer Zeit, wo es nur Herren und Knechte, Abhängige und Leibeigene, Kriegszüge und Gefolgschaften gab, brachten Pfullendorf das, was heute das Grundgesetz garantiert: bürgerliche Freiheit. Die Pfullendorfer wurden freie Bürgersleute.

Die Bürgersleute versuchten ihr damals mittelalterliches Pfullendorf durch den Bau einer Mauer, eines Walles und Graben zu schützen.

Nahezu 50 Jahre gehörte Pfullendorf als königliche Stauferstadt zum Besitz der Stauferdomäne. Als die Staufer mangels männlichem Nachkommen 1268 ausstarben und das Hausgut an das "Heilige Römische Reich deutscher Nation" fiel, war Pfullendorf Reichsstadt geworden. Die Bürgerschaft wollte sich selbst verwalten und gründete 1383 eine Zunftverfassung, d. h., die Bürger konnten sich ihren Berufen entsprechend sechs Handwerkerzünfte anschließen. Die Pfullendorfer erbaten sich von ihm das Recht, Gericht zu halten über Leben und Tod. 1415 wurde ihnen der Blutbann gewährt. Nun wurde Pfullendorf endgültig Freie Reichsstadt.

Niemandem hörig, nur Gott und dem Kaiser untertan. Diese Verfassung blieb mit kurzen Unterbrechungen bis 1803 in Kraft. Reformation, Bauernkrieg, der verheerende 30jährige Krieg, die französische Revolution, Krankheiten, Notzeiten, bestimmten das Schicksal der freien Reichsstadt. Nach dem Reichsdeputationshauptschluß, 1803, der Säkularisation und dem Sieg Napoleons bei Austerlitz setzte der Preßburger Frieden 1805 den Schlußstrich hinter die Süddeutsche Eigenbrötelei. Die kleinen Territorien wurden zu Baden oder Württemberg geschlagen, mit Ausnahme von Hohenzollern. Nach 500 Jahren Reichsunmittelbarkeit kam Pfullendorf zum Großherzogtum Baden.

Pfullendorf wurde Badische Bezirksstadt im Seekreis.

Pfullendorf kam zum Landkreis Überlingen, bei der Kreisreform 1973 wurde es dem Kreis Sigmaringen zugeteilt. Der erste und zweite Weltkrieg haben in Pfullenorf viele Opfer gefordert, nach der Inflation 1921/22 verarmten die Bürger, Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit wuchsen. Evakuierte suchten in Pfullendorf Schutz, Flüchtlinge aus dem Osten wanderten ein.

Eine neue Blütezeit erlebte Pfullendorf nach der Rückkehr viele Bürger aus Krieg und Gefangenschaft. Kaum Strukturwandel ein, begannen einen Entwicklungsprozeß, der bis heute ununterbrochen im Gange ist. Städtisches und spitälisches Vermögen wurden eingesetzt, um Industrien anzusiedeln. Nun könnten die Pfullendorfer ihren Lebensunterhalt in Pfullendorf verdienen. Parallel entstanden Wohnsiedlungen, Handel, Handwerk und Gewerbe. Der ungeahnte Aufschwung kam nicht zuletzt auch wegen des Kasernenbaues. Pfullendorf wurde Industrie- und Garnisonsstadt. Viele Bauern der Innenstadt gaben ihren Hof auf. Die verbleibenden Bauern konnten ihre Anwesen auf den neuesten stand bringen und vergrößern, was dazu beiträgt, dass das Umland noch heute landwirtschaftlich geprägt ist.

Ein Rundgang durch Pfullendorf zeigt, dass die Stadt sich ihrer Sonderstellung, die sie vom Stauferkaiser bereits 1220 erhielt, bewusst ist. Man kann historische (Fachwerk-) Bauten von der Gotik bis zum Rokoko betrachten, ohne sich über das Haus daneben ärgern zu müssen.

Eine Reihe namhafter Persönlichkeiten aus Kunst, Politik, kirchlichem, sozialem und wirtschaftlichem Bereich brachte Pfullendorf hervor. Die Stadt, die Betriebe, die Kirchen und deren Organisationen, Vereine, Schulen, Privatinitiativen, die Soldaten der Bundeswehr, alle zusammen gestalten ein aktives abwechslungsreiches kulturelles Leben. Ein gut ausgebautes Krankenhaus mit sechs Fachabteilungen mit Unfallklinik, Allgemeinmediziner, Fachärzte, therapeutische Praxen, sorgen für eine gute Versorgung auf medizinischem Gebiet. Für das leibliche Wohl sorgt eine bunte Vielfalt an Gasthäuser, Restaurant, Cafés und gemütlichen Kneipen.

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